Fotografie aus der Hansestadt Wismar — Ein Jubiläum
10 Jahre aktuelle zeitgenössische junge Fotografie im Baumhaus

In unserer völlig medialisierten Welt werden wir von Fotografien förmlich erschlagen. Im Internet, im Fernsehen, in Tages- und Wochenzeitungen, in Magazinen, auf Werbeprospekten und Werbetafeln werden wir bombardiert mit visuellem Müll, der unsere Vorstellungen, unsere Wirklichkeit und unsere Träume, unsere Wünsche, Sehnsüchte und Hoffnungen stetig manipuliert. So entstehen entrückte und entfremdete Vorbilder, die gleichgerichtet um den Erdball vagabundieren. So korrumpiert der gleichgeschaltete freiradikale Müll unsere Haltung zur Welt auf höchstem Niveau und entfremdet unsere Vorstellungen und »unzeitgemäßen Betrachtungen«, indem er allpräsent unser (Unter-) Bewusstsein barbarisiert. Internetfotografien, Werbefotografien, Pressefotografien, Kriegsfotografien, Pornofotografien, Wissenschaftsfotografien, Modefotografien, Medizin­foto­­grafien, Weltraumfotografien, Reisefotografien, ethnologische Fotografien, Tierfotografien, Portraitfotografien, Tatortfotografien, Amateurfotografien, Handyfotografien, Überwachungsfotografien, Biometrische Fotografien, usw., usw..


Sie alle erzeugen ein Zerrbild der Wirklichkeit, an das keiner glaubt! Und dennoch wird von »mainstream« gesprochen.
Gemeint ist jedoch Gleichschaltung. Altbackene Repertoires werden von vorgestrigen Vorbetern zur Imitation angepriesen. Stanzenartige Clichés werden proklamiert und zum Kopieren freigegeben. Ist dann die totale Kopie gelungen, wird applaudiert und gelobt. Man freut sich darüber, dressierte Affen hervorgebracht zu haben, doch das Resultat wird gleich wieder vergessen und verdrängt, in dem Irrglauben, eine großartige Dressurleistung vollbracht zu haben.


Deshalb ist der oberste Grundsatz meiner eigenen Lehrtätigkeit nicht, überholte und fragwürdige Standards zu vermitteln, deren Halbzeitwert oft weniger als 24 Stunden beträgt, sondern die Auseinandersetzung mit sich selbst, mit seinem ureigenen bildnerischen Antrieb. Oft ist ein gewähltes Thema noch gar nicht klar. Erst langsam entwickelt es sich zu einem eigenen Anliegen, dem dann mühsam eine Form des eigenen Ausdrucks gegeben sein will.


Grundvoraussetzung dafür ist der Prozess des Sich-Lösens aus dem klebrigen Netz der Clichés und falschen Vorbilder. Dies gelingt häufig erst nach Wochen, Monaten. Dann aber ist es wie eine Befreiung. Dann entstehen eigene, großartige Enthüllungen höherer Einsichten und tieferer Erfahrungen. Dann werden aus Experimenten und konsequenten Entwicklungen autonome Arbeiten. Die jungen Künstler sind oft ebenso überrascht wie ich selbst, was ein Abschütteln retrospektiver, einengender Vorstellungen alles bewirken kann. Die Resultate sind dann zeitlose Arbeiten, die eigene Bildsprachen zu Tage fördern.


Durch die im gemeinsamen Studium vermittelten Impulse hat sich unter meiner Mentorschaft im Laufe der Jahre eine hochwertige fotografische Kultur zwischen den Studierenden, den Absolventen und mir entwickelt, die einen intensiven Diskurs über zeitgenössische Fotografie im nationalen und internationalen Kontext der bildenden Kunst und ihrer Strömungen eröffnete. Aus dieser Auseinandersetzung resultierte die künstlerische Position der »Erneuerten Subjektiven Fotografie«, die die ausstellenden FotografenInnen vertreten. Dabei ist jeder Fotograf ein Autor, der die Subjektivität seiner Wahrnehmungen in eine ihm adäquate fotografische Form übersetzt.


Seit nunmehr 10 Jahren hat sich in diesem Kontext in der Hansestadt Wismar eine fotografische Kultur entwickelt, die weit über die Grenze des Landes Mecklenburg – Vorpommern hinausreicht. So haben Studierende meiner Foto-Klasse gemeinsam mit mir eine der größtangelegten Wanderausstellungen der letzten 100 Jahre im Fotografie-Kunstkontext durchgeführt, die bis Australien (Sydney) und in die USA (New York) führte. 17 Stationen waren es insgesamt - jeweils mit aktuellen Arbeiten. Theoretisch hat uns dabei der Philosoph Andreas Steffens begleitet.


Nun zeigt das Baumhaus Wismar, im zehnten Jahr, neueste Arbeiten Studierender und Diplomierter aus der Wismarer Schule. Damit wird deutlich, dass die Mecklenburger Fotoklasse mit ihrem einzigartigen Profil zu einer festen Größe im kulturellen Leben der Hansestadt Wismar geworden ist.


Als Lehrer der einzigen Ausbildungsstätte im Bereich Fotografie an einer Hochschule in Mecklenburg-Vorpommern richte ich mein Lehrkonzept an den Ideen einer ganzheitlichen Kreativität und einer individuellen, subjektiv-kritischen Persönlichkeitsförderung der Studierenden aus. Diese Ausbildungsstrategie ermöglicht die durchweg hochwertigen Ergebnisse der Arbeit in meiner Fotoklasse.


Trotz verschiedener Produktionsmethoden und bildnerischer Strategien ist das gemeinsame Element einer neuen subjektiven Sicht auf die Wirklichkeit maßgebend. Damit bezieht unsere Foto-Klasse eine Gegenposition zu einer dokumentarischen, realitätsvermittelnden Fotografie und wendet sich einer metaphorischen, lyrischen, narrativen und experimentellen Auffassung zu. Dabei gilt es, die Ansätze der einzelnen Individuen zu reflektieren, zu fokussieren und zu fördern. Denn zuallererst geht es um das Sichtbarmachen der eigenen Betrachtungen, so divergent sie auch in der Klasse sein mögen. Nicht pseudo-professionelle Imitation, sondern Befreiung von ewig-gestrigen Zerrbildern bietet die Möglichkeit, Neuland zu betreten.


Das macht es den Betrachtern, die ja selber von unzähligen korrupten Bildern geprägt sind, oft nicht leicht, den neuen subjektiven Bildsprachen zu folgen, da dies ja die Befreiung auch des Betrachters vom Überholt-Überkommenen voraussetzt. Dennoch ist es möglich, unsere Welt durch die Positionen der Wismarer Fotoklasse etwas anders, wenn nicht sogar neu, zu entdecken. Das kann zu einem Abenteuer werden und einen Dialog eröffnen, der dazu beiträgt, für mehr Erkenntnis und Verständnis zu sorgen.


Nur die Vielfalt eigener Positionen kann die Diktatur des manipulierenden Massenbildes überwinden und unsere Köpfe von den vorgestanzten Bildern befreien, die uns überschwemmen.

Antje Dorn - Cargo
Vernissage Fr. 02.09.11, 19.30 Uhr
03.09. - 15.11.11

Mit Antje Dorns neuer Arbeit CARGO eröffnet zone B zur gemeinsamen Rentrée der Berliner Galerien die spätsommerliche Kunstsaison in Berlin Mitte. Wir freuen uns, diese subtile, kraftvolle und mit dialektischem Humor versehene Bilderserie erstmals vorzustellen.

 

Die 42-teilige Serie (Gouache auf Holz, 2010) zeigt in schematisierter Seitenansicht Figuren von Tieren und Menschen, die Pakete und Gepäckstücke tragen, ziehen, balancieren. Frachten, die oft ein Vielfaches ihres Körpervolumens übersteigen. Und dabei wirken die Tragenden, die in sich fortbewegender und auch innehaltender Position dargestellt sind, meist heiter, manche rührend oder beschwingt und auf diese Tätigkeit des Transportierens konzentriert.

 

Referenzpunkte dieser Arbeit sind einerseits die gigantischen Containerschiffe, welche zu unserer Wirklichkeit gehören und andererseits das Bild des Esels als ein in europäischer Tradition überlieferter Inbegriff, wenn nicht sogar ikonografisches Zeichen eines immer geduldigen, trittsicheren, treuen und gütigen Packtieres. Antje Dorn begegnet mit ihrer neuen Serie „Cargo“ unserer heutigen technisierten Welt globaler Warenströme und Produkttransporte mit einer poetischen Bildformulierung, die das für unserer Zeit typische Nebeneinander von High- und Low-Tech, von langsam und schnell, von modern und archaisch, von persönlichem Wert und Massenware, zu besingen sucht.

 

Ein Pelikan balanciert stolz und leichten Schrittes ein mehrfach blaues Vieleck mit mindestens neun Ecken auf seinem Haupt, durch nahezu kreisrunde und elliptisch wirkende, mauve Farbflächen, die an kugelartige Steine in einer kargen Magma farbigen Vulkanlandschaft auf hölzernem Grund erinnern. Der in funkelnder Leuchtkraft an einen Diamanten oder an einen Polareisblock erinnernde riesige Kronjuwel, der die Unbeschwingtheit des drolligen Pelikans krönt, erscheint fast schwerelos trotz seines übergroßen Volumens.
Ein  Walfisch, dessen Sputums Gipfel eine packpapierfarbene Fläche mit Buchstaben ziert, die Popcorn ergeben, dieser Wal schwimmt selbst versunken in einem hölzernen Ozean, umgeben von pastosen blauen Kreisen oder Ringen, die Schwimmreifen, Rettungsringe oder das Blau der Inseln seien könnten, so blau wie seine Fontaine.
Ein Widder transportiert gelassen zwei ziemlich provisorisch befestigte Autoreifen und ein Pinguin hält würdevoll inne, mit einem Paket auf dem Haupt und der Aufschrift „Teppiche“ (Carpets).

 

Einige Bilder dieser Serie zeigen Menschen, die gleichfalls Lasten tragen oder hinter sich her ziehen, wie  z. B. der gestriegelte, beanzugte Mann mit Brille und Krawatte mit seinem flightcaseartigen Rollköfferchen. Er ist, wie alle Wesen auf diesen Bildern, auch zentral im Bild dargestellt, umgeben von teils überhohen Treppenstufen, die links sowie rechts von ihm aufsteigen.

 

Die Haltung aller Träger scheint von einer irdischen, autonomen Kraft geleitet zu sein.
Auf wundersame Weise fügen sich alle beteiligten Wesen in ihre Tätigkeit ohne die Fracht zur Last werden zu lassen.

 

Antje Dorn, geb.1964 in Aachen, studierte an der Folkwangschule, Essen (Universität Essen) und an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei A.R. Penck, bei dem sie 1994 Meisterschülerin wurde.
Sie lebt und arbeitet in Berlin.
Seit 1992 zahlreiche Ausstellungen, Stipendien, Publikationen, Projekte, Vorträge.
Im Frühjahr 2011 zeigte das Museum Folkwang Essen in der neuen Wechselausstellungshalle Antje Dorns erste große Werkschau „Stuff“ mit über 200 Werken (Gemälden, Zeichnungen, Fotografien und Objekten) aus den Jahren 1994 -2009. Diese Ausstellung wurde kuratiert von Dr. Tobias Burg und Prof. Ute Eskildsen. Dazu erschien ein gleichnamiges Künstlerbuch in der Edition Folkwang/Steidl, Göttingen.

 

Anlässlich der Eröffnung der Berliner Kunstsaison am 2. September 2011 kombinieren 20 renomierte Galerien ihre exklusiven Vernissagen zeitgenössischer Kunst mit den besten Deutschen Weinen der VDP-Prädikatsweingüter und bieten Kunst- und Weinliebhabern Genuss für alle Sinne.
Zur Vernissage haben Sie die Möglichkeit bei einer Weinverkostung des STAATLICHEN HOFKELLERS die Vielfalt an Stilrichtungen fränkischer Weinkultur zu entdecken. Genießen Sie edle und exklusive Frankenweine aus einem der ältesten Weingüter der Welt.

Berlin meets Basel, Scope 15-19 Juni 2010

Berlin meets Basel: Zur ART Basel 2010 präsentieren sich auf Initiative des Landesverbandes Berliner Galerien (LVBG) erneut neun Galerien der Bundeshauptstadt am weltweit wichtigsten Kunstmarktplatz Basel/Schweiz


Zum Stelldichein der internationalen Sammler, Galeristen und Künstler sowie dem „Who is who“ aus Kunst und Kultur in Basel zeigen die Berliner Galerien Wichtendahl, Deschler, Morgen, Alexander Ochs, Sandmann, Schuster, Strychnin, Wagner+ Partner sowie zone B ihr Programm aus der Kunstmetropole Berlin. Ausgewählte Werke renommierter als auch aufstrebender Künstler von Rainer Fetting bis hin zu Raissa Venables sind unter dem Label ART ROM BERLIN auf der Satellitenmesse SCOPE Basel 2010, 15-19 Juni (Kaserne Basel, Klybeckstr. 1 b, CH-4057 Basel, www.scope-art.com) zu sehen.


Die vom Landesverband Berliner Galerien (LVBG) initiierte Präsentation der Galerien wird begleitet von einer BERLIN LOUNGE mit Informationen zum Kunststandort Berlin und seinen zahlreichen Ausstellungshäusern. In Reminiszenz an die herausragende Club-Kultur der Stadt erstmals auch mit ergänzenden Musik-Veranstaltungen und einem Berliner DJ Line Up in Kooperation mit dem WEEKEND Club Berlin – ein Crossover der Berliner Kulturszene aus Kunst und Musik sowie ein Vorgeschmack auf die Berlin Music Week im September diesen Jahres.


Erst jüngst konnte der Berliner Kunststandort anlässlich des GALLERY WEEKEND BERLIN wieder seine enorme Qualität und das ständig steigende Image unter Beweis stellen. Diese Qualität beispielhaft auf die internationalen Kunstmarktplätze zu tragen ist daher kultur- und wirtschaftspolitisch nur konsequent. Mit dem Messeauftritt ART FROM BERLIN unterstreichen die Galeristen die prosperierende Rolle Berlins als führendem Kunststandort in Europa. Das Projekt wird unterstützt vom Land Berlin und der Europäischen Union.

 

ART FROM BERLIN – Gemeinschaftspräsentation Berliner Galerien auf der

SCOPE Basel 2010, 15-19 Juni Weitere Informationen: www.scope-art.com und www.berliner-galerien.de

Eva Bertram - 2 Ein Kind

Andreas Steffens

Kindheit als Prozess des Eigensinns ist das zentrale Thema der Arbeit 2 Ein Kind der Berliner Fotografin Eva Bertram. Über einen Zeitraum von elf Jahren fotografierte sie ihre Tochter Herveva zwischen Spiel, Identitätsfindung und Erwachsenwerden. Die Aufnahmen zeigen nicht nur erstaunliche theatralische Wandlungen des Mädchens, sondern sie reflektieren auch das besondere Verhältnis von Fotografin und Modell sowie die zunehmende Selbstständigkeit und Selbsterkenntnis der Tochter als Mensch.



 

Eine Auswahl von etwa 70 Bildern zeigt das Mädchen, häufig in selbst geschaffenen Spielfeldern. 
Der spielerische Charakter ihrer Posen und die Arrangements sind zugleich Teil eines ernsthaften Rollenspiels. Die Fotografin versteht sich in dieser Situation als Beobachterin kindlicher Abläufe, in deren Verlauf sich durch die Kamera eine Eigendynamik entwickelt, die das Spiel zunehmend zu einer Aufführung und Darbietung werden lässt.

 



"In Eva Bertrams Bildkunst verlässt die Madonna das Bild. Sie tritt aus ihm heraus, und richtet ihren Blick auf das Kind. Aber das Kind schaut zurück, lange, bevor es ahnen kann, was das bedeutet: sich der Verfügung der anderen zu entziehen, und sich einzufügen ins Geflecht der wechselseitigen Bestimmungen.
Einander sehend: die Mutter das Kind, das Kind die Mutter, die Mutter, die sieht, wie das Kind sieht, wie sie es sieht, das Kind, das sieht, wie die Mutter sieht, dass sie von ihm gesehen wird, während sie es sieht - erzeugen die einander durchdringenden Blicke die Bilder.
(...)


 

Es ist der Ernst des eigenen Lebens, auf dessen Blick der des Betrachters trifft. Der Ernst jener Arbeit der Verwandlung an Vorgefundenem, aus der jeder sein eigenes Leben beziehen muss, die mit den Spielen beginnt, in denen das Kind seine Existenz erspürt, wie dem, sich in den Kleidern einer anderen zu verbergen."

Open Weekend
2. - 4. Mai 2008

Mehr als 30 Galerien in Berlin Mitte laden vom 2. bis 4. Mai 2008 mit verlängerten Öffnungszeiten zum intensiven Kunstgenuss: Ausstellungseröffnungen, Open Studios und Finissagen sowie Führungen durch die beteiligten Galerien. Folgende Galerien in Berlin Mitte sind beim OPEN WEEKEND 2008 dabei: artSPACE berlin, SARA ASPERGER GALLERY, Bereznitsky Kiew.Berlin Gallery for Contemporary Art, berlin art scouts, IB ISABEL BILBAO – Galerie, brutto gusto, CiceroGalerie für politische Fotografie, Galerie Degenhartt, EXTRARAUM, Friedman Galerie und Projekt, galerie gerken, Galerie Marianne Grob, Galerie Peter Herrmann, Galerie ICON Berlin, imago fotokunst, janinebeangallery, Galerie Rossella Junck, Merry Karnowsky Gallery, Galerie Inga Kondeyne, Krammig & Pepper Contemporary, lorch+seidel galerie, Galerie oko - Japanese Contemporary Art, Galerie en passant, Galerie Dieter Reitz Berlin, Galerie Sandmann, Galerie Schuster Photo, Galerie Siguaraya, GITTE WEISE GALERIE, Galerie Ulf Wetzka, c. wichtendahl. galerie., WILDE GALLERY, zone B.

Gosbert Adler - Autos und Fahrer

Seit nunmehr drei Jahren beschäftigt sich Gosbert Adler mit dem komplexen Thema Auto, Mobilität und Gesellschaft.

In der Ausstellung werden mehrere Werkgruppen erstmals aufeinander bezogen vorgestellt.

Großformatige Fotografien zeigen Einblicke in den privaten Innenraum parkender Autos. In den Interieurs ist der Fokus auf die Schichtungen privater Räume gelenkt, die sich durch die Spiegelungen in den Scheiben mit der Außenwelt verbinden.

Die Portraits der Fahrer suggerieren eine Intimität von Menschen in ihrer privaten Umgebung. In sich versunken, voll konzentriert, entspannt, geborgen in der einsehbaren Fahrgastzelle, erscheint der Fahrer wie in einer durchlässigen Membran zur Aussenwelt.

Aufnahmen von Verformungen, Beulen und gut gemeinten Reparaturversuchen sind Zeichen einer verletzten Außenhülle. In den plastischen Deformationen zeigt Gosbert Adler eine Wandlung vom Design zum skulpturalen Objekt.

Diese auf Auto und Fahrer zentrierten Bildwelten werden mit Aussenwelten vernetzt. Ein teilbetoniertes, ausgetrocknetes Flussbett, dunkle Essensreste, zwei gläserne Halbkugeln bilden Teile dieser Aussenwelt. Die unterschiedlichsten Techniken, Formate und Materialitäten werden in der Ausstellung zu einem verwobenen System.[...]

Hinter dem Horizont das andere Leben des Eigenen

Eva Bertrams - Inseln

Zur Eröffnung der Ausstellung in der zone-b, Berlin, 19.10.2007

von Andreas Steffens

 

Aber die Menschen verlangen Bilder der Welt, nicht die Welt selbst zu sehen.

Reinhold Schneider, Das Inselreich (1936)

 

‚Inseln’ in Berlin, das klingt ein wenig wie Eulen in Athen. Findet sich doch keine andere Stadt der Welt in der Metapher der Insel so trotzig-stolz wieder.

 

Sogar eine ‚Insel der Seligen’ gab es, entstanden, als die Alliierten bei Kriegsende vergaßen, Kleinmachnow zu besetzen. Zum amerikanischen Sektor sollte es gehören, aber da kein Amerikaner ließ sich blicken ließ, kamen schließlich Russen stellten die Versorgung wieder her, und blieben. Das Niemandsland für ein paar Wochen behielt das Flair des Enthobenen, und wurde bevorzugtes Wohngebiet einer privilegierten Intelligentsia.

Inseln sind Ersatzparadiese ebenso wie Straflager, Idyllen wie Gefängnisse, letzte Zuflucht ebenso wie Ort der Verbannung, sanfte Gewährerinnen von Geborgenheit ebenso wie strenge Aufseherinnen der Weltausgeschlossenheit: Kythera ebenso wie Elba. Zweideutigkeit ist ihre Art. […]

Hauptstrom - When The Clock Strikes Twenty

In Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Hilden und der Berliner Galerie zone B präsentiert der Kunstraum im Gewerbepark-Süd nach „Menschen im Bild“ (2005) eine weitere hochkarätige Ausstellung aktueller Fotokunst.

 

Eröffnung: 16.09.07, 11 Uhr

Begrüßung: Bürgermeister Günter Scheib

Einführung: PD Dr. Andreas Steffens (Universität Kassel)

Ort: Kunstraum im Gewerbepark-Süd, Hofstraße 64, Hilden

Dauer der Ausstellung: 16.09. - 14.10.07

Finissage: 14.10.07, 11 - 13 Uhr

 

Teilnehmende Künstler:

Gosbert Adler, Katrin Amft, Eva Bertram, Antje Dorn, Françis Dumas, Erich vom Endt, André Grossmann, Britta Huntemann, Marc Grümmert, Jitka Hanzlová, Volker Heinze, Klaus Küster, Éric Le Ménédeu, Thanh Long, Dolorès Marat, Knut Wolfgang Maron, Heidi Schneekloth, Kenneth van Sickle, Petra Wegener, Janet Zeugner

Thomas Kemper
Malerei - Neue Arbeiten

Mit Thomas Kemper zeigt zone B neue Arbeiten des Kölner Künstlers. Es ist die erste Berliner Einzelausstellung des Malers.

Geste und Kontemplation
Thomas Kempers Neue Malereien
von Andreas Steffens

[...]

Die Beziehungen zwischen Malerei und Fotografie sind so alt wie die Erfindung der Lichtbildnerei. Und es war durchaus auch von Anfang an keine Beziehung, die auf eine gegenseitig ausschließende Konkurrenz eingeschränkt gewesen wäre. Unter dem Gesichtspunkt der umfassenderen Kategorie des Bildens stehen beide vielmehr in einem spannungsvollen Verhältnis von Ergänzung und gegenseitiger Inspiration.

Für die Malerei ist dieses Verhältnis problematischer als für die Fotografie. Denn sie fand sich durch diese in Frage gestellt, während die Fotografie sich bei der Malerei schließlich auf ihrem eigenen Weg zur Kunst ästhetisch bedienen konnte.

An der Lage, wie Jean-Francois Lyotard sie vor nun zwanzig Jahren beschrieb, hat sich seither nichts Wesentliches geändert.

Mit dem Photo trägt das industrielle ‚ready made’ den Sieg davon. Duchamp schließt daraus, dass die Zeit zum Malen vorbei ist. Diejenigen, die daran festhalten, haben sich der Herausforderung der Photographie zu stellen. Sie lassen sich ein auf die Dialektik der Avantgarden. Diese negative Dialektik dreht sich um die Frage: Was ist Malerei? Sie wird davon getrieben, sich abzusetzen von dem, was schon dagewesen oder noch da ist; doch selbst das war nicht unbedingt notwendig, um Malerei zu machen. Malerei wird eine philosophische Tätigkeit: die Regeln zur Anfertigung ‚gemalter’ Bilder sind noch nicht ausgesprochen und können noch nicht angewandt werden. Die Regel der Malerei liegt eher darin, nach jenen Regeln bildnerischer Gestaltung zu suchen, wie auch die Philosophie nach den Regeln philosophischer Sätze zu suchen hat (Lyotard, Darstellung, 210).

Auch aufgrund dieser Gemeinsamkeit in der Prombleamtik ihrer eigenen Möglichkeit, die Malerei und Philosophie unverändert verbindet, habe ich es gerne übernommen, in diese Ausstellung einzuführen: denn Thomas Kemper hat in einem kontinuierlichen Werkprozeß zu eigenen Regeln der Anfertigung ‚gemalter’ Bilder gefunden.

 

[Auszug...]

Hauptstrom - When The Clock Strikes Eighteen

zone B eröffnet seine erste Ausstellung im ehemaligen Kunstraum Capri in Berlin Mitte (Brunnenstraße 149) am Freitag, 23. Februar, um 19 Uhr mit einer Vernissage.

 

Drei Generationen zeitgenössischer Fotografie wird der neue Kunstraum zone B in seiner ersten Ausstellung „Hauptstrom“ zeigen und damit die junge Geschichte dieses Genres in seiner Kontinuität präsentieren. Gezeigt werden die Werke von 18 Künstlern. Die meisten von ihnen sind in namhaften Sammlungen vertreten, unter anderem im Museum Folkwang (Essen), der Staatsgalerie Stuttgart, im Museum Ludwig (Köln), im Europäischen Fotomuseum Paris sowie dem Museum of Modern Art und dem Metropolitan Museum New York.

 

Mit Gosbert Adler und Eva Bertram bringt der Kunstraum außerdem den ersten Preisträger des Stipendiums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung mit der jüngsten Preisträgerin dieses höchstdotierten und wichtigsten Stipendiums für zeitgenössische Fotografie in Deutschland an einen Ort. Gosbert Adler erhielt diese Auszeichnung 1982, Eva Bertram im vergangenen Jahr. Jitka Hanzlová ist Trägerin des Otto-Steinert-Preis der Deutschen Gesellschaft für Fotografie, Volker Heinze des Charles Pratt Memorial Award. Geführt wird die Galerie von Knut Wolfgang Maron, Medienkünstler, Kurator, Dozent an der Hochschule Wismar und Preisträger des Leopold Godowsky, jr. Colour Photography Award. Außerdem dabei: Dolorès Marat aus Paris mit ihrer Arbeit auf Fresson-Abzügen, die sich stilistisch auf Edward Hopper bezieht und seine Bildideen weiterentwickelt hat. Kennneth van Sickle, der über das Zeichnen als Student bei George Grosz schon früh zur Fotographie kam und dann mit Robert Frank zusammenarbeitete und mit Duane Michaels ausstellte, ist bekannt für seine athmosphärischen Aufnahmen im Künstlermilieu und von New York und Paris. Ihre Werke treffen auf Vertreter der jungen Generation, wie Heide Schneekloth und Tim Kellner, die ebenfalls schon für ihre Arbeiten Stipendien und Preise erzielten. Sie sind Mitglieder der Gruppe "Absage an die Wirklichkeit".

 

Hauptstrom zeigt Fotoarbeiten, die Gegenposition zu einer dokumentarischen und realitätsvermittelnden Fotografie beziehen. Damit interpretieren die Künstler ihre Welt auf eine autonome, narrative, metaphorische und experimentelle Art und Weise. Durch die Ausstellung wird die fragmentierte Welt wieder zu einer Einheit. Hauptstrom ist der programmatische Titel der Ausstellung, der den Strom singulärer Positionen aktueller Fotografie bündelt. Trotz verschiedener Produktionsmethoden und bildnerischer Strategien gilt die persönliche Sicht der einzelnen Künstler auf die Wirklichkeit als gemeinsames Element.

 

Der Projektraum zone B widmet seine Aktivitäten kompromisslosen Positionen zeitgenössischer Kunst. Fotografie, Medienkunst, Environnement, Plastik und Malerei bilden dabei die Schwerpunkte.

 

Vier Ausstellungen werden pro Jahr gezeigt, jede bleibt für drei Monate. Mit dieser langfristigen Präsenz bezieht zone B Position in einer schnelllebigen Galerienlandschaft. Den ausgestellten Künstlern wird so die Möglichkeit zu einer nachhaltigen Betrachtung gegeben.