Ahmed Kamel - Über das Paradies / Repetitive Einheiten

Ahmed Kamel, Videostill aus „Über das Paradies“, 2014
Ahmed Kamel, Videostill aus „Über das Paradies“, 2014
Ahmed Kamel, Videostill aus „Über das Paradies“, 2014
Ahmed Kamel, Videostill aus „Über das Paradies“, 2014

Tod.
Das Paradies kann eine wunderbare Hoffnung, ein bedingtes Versprechen, eine notwendige Alternative oder eine Illusion sein. Es steht für die Hoffnung auf Gerechtigkeit, die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden oder gegen die Angst vor dem Nichts. Die unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben im Jenseits beeinflussen seit jeher in allen Kulturen die Lebensweisen.

 

Der Film basiert auf verschiedenen Interviews von Protagonisten aus Ägypten und Deutschland. Die unwissenschaftlich gesammelten Aussagen und Zeugnisse stammen von Personen aus verschiedenen kulturellen Strömungen und erzählen von deren Vorstellungen vom Paradies oder von dem, was nach dem Tod passieren könnte. Der collageartige Film zeigt auch Szenen von zwei Pilgerreisen, die ich selbst unternommen habe. Eine Pilgerfahrt nach Mekka, die andere auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Diese Art von Reisen, die schon vor der Entstehung der drei Buchreligionen existierten, stehen für einen Weg zu Gott, gepaart mit dem Wunsch, einen Preis zu bekommen: das Paradies.

 

Leben.
Die sich wiederholenden, nicht identischen Einheiten bestehen aus einer Anzahl von kontemplativen Zeichnungen. Expressives Zeichnen ist die Stenographie der Phasen künstlerischen Schaffens. Keine Trennung zwischen Wunsch und Schaffen, außer zwischen dem Stift und der weißen Oberfläche des Papiers. Der für mich direkteste Weg, um Gedanken und Gefühle auszudrücken.

Es geht um die Wiederholung, es geht um Herz und Atem, es geht um Sprache und Verständnis, es geht um Erdbeben und Landschaft, es geht um Stillstand und Bewegung, es geht um Statistiken und Beziehungen, es geht um Schlaf und Rhythmus, es geht um Licht und Dunkelheit.

Durch die Geburt verbindet sich die Seele mit dem Körper und verlässt diesen nach einer Lebensspanne durch das Sterben wieder und die Einheit wiederholt sich. Im Falle eines Todes zünden Menschen Kerzen an und stellen diese auf das Grab, um Wärme zu stiften. Andere sprühen Wasser auf das Grab, um der Seele die Hitze zu nehmen.

Ich wünschte mir, nach seinem Tod seine Stimme zu hören. Gibt es überhaupt Aufzeichnungen?

Ahmed Kamel

Ahmed Kamel, „Repetitive Einheiten“, A4 Zeichnungen

Ahmed Kamel wurde 1981 in Kairo, Ägypten geboren. Er studierte Fotografie und Film an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (Meisterschüler 2014) und Malerei an der Helwan University in Kairo (BFA 2003). Er nahm an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im Mittleren Osten und Europa teil, darunter: Contemporary Image Collective (CIC), Kairo; The Townhouse Gallery, Kairo; Brandts Museet for Photo Art, Odense; East Wing, Dubai und Folkwang Museum, Essen. Ahmed Kamel lebt und arbeitet in Kairo und Berlin

 

Website von Ahmed Kamel